Was kostet mich ein Haustier?

In dieser Ausgabe des Tierschutzmagazins möchten wir uns einmal einem weniger medizinischen Thema zuwenden. Durch unseren täglichen Kontakt mit Tierbesitzern und unserer langjährigen Arbeit mit Tierschutzorganisationen fällt uns auf, dass viele Tierbesitzer sich nicht darüber im Klaren sind, was ihr Haustier eigentlich kostet. Hierbei stehen die Anschaffungskosten sogar im Hintergrund, über die laufenden Kosten sind sich die wenigsten Tierbesitzer im Klaren. Da sich aus diesem Unwissen schnell ein Missstand für das Tier entwickeln kann möchten wir, in Zusammenarbeit mit dem Tierschutz Lübeck und Umgebung e.V., eine kleine Aufklärungskampagne starten.

Bei dem Wunsch nach einem Haustier, besonders wenn man sich bereits „verliebt“ hat und in die treuen Augen eines süßen Hundes schaut oder mit einer verschmusten Katze kuschelt, werden die Kosten die ein Haustier verursacht schnell übersehen. Zunächst werden „nur“ die Anschaffungskosten gesehen: „ein Hund aus dem Tierheim für 200 Euro oder eine Katze für 80 Euro das geht ja noch“. Vielleicht will ja der Nachbar oder ein Bekannter seine Katze oder seinen Hund nicht mehr und überlässt das Tier sogar kostenlos. „Das arme Tier wäre sonst ins Tierheim gekommen, das konnte ich nicht zulassen, da musste ich doch helfen.“ Eine solche Aussage hören wir fast jede Woche, häufig resultiert jedoch daraus, dass der „Helfer“ finanziell nicht dazu in der Lage ist das, oder ein weiteres Tier ausreichend zu versorgen oder gar eine Krankheit behandeln zu lassen. Hier stellt sich sogar die Frage, ob es sich hierbei nicht um fehlgeleitete Tierliebe handelt, denn im Tierheim wäre das Tier bestmöglich versorgt worden und hätte alle nötigen Behandlungen erhalten.

Ein Hund verursacht in seinem Leben laufende Kosten von rund 10.000 Euro (kleine Hunde Kosten pro Monat zwar weniger Unterhalt, leben dafür aber oft entscheidend länger, sodass diese Summe für alle Hunderassen als Richtwert gelten kann). In diesen Kosten sind noch nicht einmal die Anschaffungskosten enthalten, die sich zwischen 200 Euro für einen Tierschutzhund und bis zu 2.500 Euro für einen Rassehund bewegen. Ebenfalls sind in dieser Summe keine Tierarztkosten für eventuelle Krankheiten, Verletzungen oder Operationen enthalten, dieses kann im Einzelfall schnell mal bis zu 1.000 Euro und mehr an Kosten verursachen.
Na ja, denken sich jetzt einige, deshalb habe ich ja eine Katze, nur die Kosten für eine Katze fallen nicht viel geringer aus! Bei einer angenommenen Lebenserwartung von 15 Jahren (einige Katzen, vor allem Rassekatzen, leben sogar noch entscheidend länger) kommen Gesamtkosten von rund 7.500 Euro zusammen. Hierin sind ebenfalls die Anschaffungskosten, die sich etwa zwischen 80 Euro und 1.500 Euro bewegen, nicht enthalten, und auch hier sind keine Kosten für etwaige Erkrankungen, Verletzungen oder Operationen enthalten, die sich im gleichen Rahmen wie bei einem Hund bewegen können.

Nun bleiben noch die Tierbesitzer, die jetzt sagen: deshalb habe ich mir ein günstiges Tier angeschafft, nämlich ein Meerschweinchen oder ein Kaninchen. Auch diese Tierbesitzer müssen wir leider ernüchtern, denn auch die so genannten Heimtiere sind keine „Billigtiere“, nicht zuletzt, weil sie mindestens paarweise gehalten werden sollten. Meerschweinchen und Kaninchen sind in ihrem Unterhalt ähnlich und verursachen in ihrem Leben, bei einer angenommenen Lebenserwartung von 7 Jahren fast 2.000 Euro pro Tier! Somit muss man für ein Paar schon mit fast 4.000 Euro rechnen. Die Anschaffungskosten von 15-40 Euro sind hierbei eher zu vernachlässigen, aber auch hier können nicht unerhebliche Tierarztkosten entstehen, wenn das Kaninchen oder das Meerschweinchen mal krank sind.
Ein Hund in der Größe eines Schäferhundes frisst für ca. 600 Euro Futter pro Jahr, benötigt Impfungen, Wurmkuren, Floh- und Zeckenbehandlungen für ca. 220 Euro pro Jahr und eine Haftpflichtversicherung für 40-150 Euro pro Jahr. Zusätzlich sind Hundesteuern von 60-160 Euro pro Jahr fällig und eine Hundeerstausstattung mit Näpfen, Körbchen, Spielzeug, Halsband, Leine etc. für mindestens 150 Euro, nach oben sind hier keine Grenzen gesetzt. Für die Fahrt im Auto ist weiterhin noch ein spezielles Anschnallgeschirr, ein Hundetrenngitter oder eine Hundebox gesetzlich vorgeschrieben, dieses bewegt sich zwischen 50 und 500 Euro. Der Verein deutscher Schäferhunde gibt die Kosten für einen Hund mit mindestens 1.000 Euro pro Jahr an.
Eine durchschnittliche Katze mit einem Gewicht von ca. 4 Kg benötigt im Jahr Futter für mindestens 300 Euro und Katzenstreu für mindestens 70 Euro. Die Kosten für Impfung, Entwurmung und Entflohung belaufen sich, je nachdem ob es ein Freigänger oder ein Stubentiger ist, auf 120-160 Euro. Für eine Katzenerstausstattung mit Kratzbaum, Spielzeug, Schlafplatz, Katzenklo, Näpfe etc. sind auch hier mindestens 150 Euro einzuplanen, auch hier gibt es nach oben keine Grenzen. Zusätzlich sollte man noch an einen Transportkorb für 20-50 Euro denken.
Ein Zwergkaninchen oder ein Meerschweinchen sind mit 15-20 Euro pro Monat, also durchschnittlich 210 Euro Futterkosten pro Jahr, zufrieden. Auch hier kann man wenn, man auch im Winter die gesamte Frischfutterpalette anbietet, schnell bei 15-20 Euro pro Woche landen. Eine Käfiggrundausstattung mit allem, was ein Heimtier braucht liegt zwischen 120 und 200 Euro und da es sich um „nagende“ Tiere handelt sollten ca. 5 Euro pro Monat für „Renovierung“ nicht nur der Nagerbehausung eingeplant werden. Bei den Unterhaltskosten für ein Kaninchen oder ein Meerschwein sollte bedacht werden, dass diese Tiere immer in Gesellschaft gehalten werden sollten, also mindestens zwei Kaninchen oder zwei Meerschweinchen, was die Kosten natürlich verdoppelt.

Nach all den vorhersehbaren Kosten wie sie oben aufgeführt sind lauern auch noch unerwartete Kosten, die zum Beispiel durch eine Verletzung oder eine Erkrankung anfallen. Hierbei muss nicht einmal der schlimmste Fall, wie z.B. ein Autounfall eintreten, auch bei weniger dramatischen Verletzungen oder chronischen Erkrankungen kommen schnell Kosten zustande, die den vielleicht bis dahin noch akzeptablen Rahmen überschreiten. Es besteht jedoch nicht nur für eine artgerechte Haltung und ausreichende Fütterung eine gesetzliche Verpflichtung, das Tierschutzgesetz sieht auch für die notwendige medizinische Versorgung eine Verpflichtung des Tierbesitzers vor. Dieses oft unkalkulierbare Risiko, bei dem nicht unerhebliche Behandlungskosten entstehen können, kann zum Beispiel über eine Tierkrankenversicherung oder Operationsversicherung abgefangen werden. In den Niederlanden sind rund 10 Prozent, in England fast 50 Prozent und in Skandinavien sogar über 50 Prozent aller Haustiere krankenversichert. In Deutschland sind es gerade einmal 1 Prozent. Eine solche Versicherung stellt eine Art Risikoversicherung dar, hier lohnt es sich in jedem Fall einmal Angebote der Versicherer einzuholen, da hier für einen relativ kleinen monatlichen Beitrag das Risiko einer teuren Operation oder Behandlung von evtl. 1.000 oder mehr Euro abgesichert ist. Alternativ könnte man sich auch, wie es ein guter Kollege von uns empfiehlt, einen gewissen Betrag monatlich auf ein Sparkonto überweisen, um im Fall der Fälle darauf zurückgreifen zu können. Falls der Fall dann doch nicht eintreten sollte, hat man den nächsten großen Urlaub bereits finanziert! Eine Krankenversicherung für einen Hund kostet monatlich etwa 45 Euro (Schäferhund), eine reine Operationsversicherung etwa 15 Euro; für eine Katze fallen für eine Krankenversicherung ca. 25 Euro an und für eine reine Operationsversicherung ca. 10 Euro, diese Preise variieren jedoch je nach Anbieter, Rasse und eventueller Vorerkrankungen.
Eine Familie in der zum Beispiel zwei Katzen und ein Schäferhund leben, muss somit mit etwa 2.000 Euro für Unterhalt und 1.140 Euro für Krankenversicherung und somit mit einer finanziellen Mehrbelastung von rund 3.140 Euro im Jahr rechnen.

Bei all den rationellen Berechungen was ein Haustier kostet, darf natürlich nicht vergessen werden wie viel uns unsere Haustiere zurückgeben, dieses ist mit Geld sicherlich nicht aufzuwiegen. Jedoch muss um des Tieres willen sein Frauchen oder Herrchen auch dazu in der Lage sein, sein Wohlergehen gewährleisten zu können. Deshalb sollte jeder angehende Tierbesitzer genau prüfen, ob oder wie viele Tiere er sich leisten kann.

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