Liebe Tierbesitzerinnen und Tierbesitzer,

heute wenden wir uns mit sehr wichtigen Informationen an Sie.

Aktuell vollzieht sich ein tiefgreifender struktureller Wandel in der Tiermedizin. Nie zuvor standen selbständige Tierärzte vor so großen Herausforderungen. Insbesondere die Anforderungen des Arbeitszeitgesetzes sowie stetig steigende Personalkosten bringen viele Kolleginnen und Kollegen an den Rand der wirtschaftlichen Leistungskraft. Folglich geben in ganz Deutschland immer häufiger Kliniken ihre Klinikzulassung – also die freiwillige Verpflichtung zu einer ständigen Notdienstpräsenz – ab. Dadurch verschlechtert sich die Versorgungslage für Sie und Ihre Tiere. Schon jetzt gibt es in Deutschland Regionen, in denen Patientenbesitzer im Notfall keinen Ansprechpartner mehr finden. Auch für uns spitzt sich die Lage zu, da auch in unserem Umkreis kaum noch Kolleginnen und Kollegen bereit sind, sich an einem flächendeckenden Notdienst zu beteiligen. Dadurch steigen die Patientenzahlen in unserem Notdienst deutlich an, was mitunter zu extrem langen Wartezeiten, einem Überschreiten unserer stationären Kapazitäten und einem permanent hohen Stresslevel bei unseren Mitarbeitern führt.

Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) ist eine Bundesverordnung, die von der Bundesregierung erlassen wird und für alle Tierärzte in Deutschland bindend ist.

Um dem Trend des „Kliniksterbens“ Einhalt zu gebieten, tritt mit Beschlussfassung der Bundesregierung und der Zustimmung des Bundesrates vom 20.12.2019 die „Vierte Verordnung zur Änderung der Tierärztegebührenordnung“ in Kraft. In dieser werden die tierärztlichen Gebühren außerhalb der regulären Sprechzeiten gesetzlich neu festgeschrieben.

Nutzen Sie als Tierhalter den tierärztlichen Notdienst, dann betrifft Sie dies wie folgt:

Für Leistungen, die bei Nacht, an Wochenenden oder Feiertagen außerhalb der regulären Sprechzeiten im Rahmen des tierärztlichen Notdienstes erbracht werden, fällt eine verpflichtende Notdienstgebühr in Höhe von 50,- Euro (zzgl. MwSt) an. Werden mehrere Tiere eines Tierhalters in der gleichen Angelegenheit vorgestellt, so wird diese Gebühr nur einmal erhoben. Zudem erhöhen sich die einfachen Gebührensätze auf mindestens das Zweifache, nach Maßgabe sind Liquidierungen bis zum Vierfachen möglich.

Wir sehen uns in der moralischen und ethischen Verpflichtung, weiterhin rund um die Uhr Ansprechpartner für Notfälle aus der gesamten Region zu bleiben und setzen uns deshalb mit aller Kraft für den Erhalt des Notdienstes ein. Dies erfordert ein komplexes Schichtsystem und hohe Bereitstellungskosten für Personal. Die gesetzlich verbindlich umzusetzende Notdienstgebühr ist dafür gedacht, den Notdienst kostendeckend zu gestalten.

Es liegt uns fern, Ihren Geldbeutel überzustrapazieren. Daher verzichten wir trotz gesetzlicher Legitimierung sowohl zu den regulären Geschäfts- als auch zu den Notdienstzeiten auf weitere Erhöhungen unserer Gebührensätze. Die verpflichtende Notdienstgebühr bleibt davon unberührt. Verstoßen wir gegen diese Verordnung können uns durch die Tierärztekammer erhebliche Strafmaßnahmen auferlegt werden.

Bleiben Sie uns gewogen!

Ihr Team der Tierklinik Lübeck